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Die gantze Heilige Schrifft: Deud\ch (Luther 1545)

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Das Alte Te\tament

Vorrede auff das Alte Te\tament

DAs Alte Te\tament halten etliche geringe / Als das dem Jüdi\chen volck alleine gegeben / vnd nu fort aus \ey / vnd nur von vergangenen Ge\chichten \chreibe / Meinen / \ie haben gnug am newen Te\tament / vnd geben fur eitel gei\tliche \inn im alten Te\tament zu \uchen / Wie auch Origenes / Hieronymus vnd viel hoher Leute mehr gehalten haben. Aber Chri\tus \pricht Joh. v. For\chet in der Schrifft / denn die\elbige gibt zeugnis von mir. Vnd S. Paulus gebeut Timotheo / Er \olle anhalten mit le\en der Schrifft. Vnd rhümet Rom. j. wie das Euangelium \ey von Gott in der Schrifft verhei\\en. Vnd j. Cor. xv. \agt er / Chri\tus \ey nach laut der Schrifft von Dauids geblüte komen / ge\torben vnd vom Tod auffer\tanden. So wei\et vns auch S. Petrus mehr denn ein mal enhinder in die Schrifft. Joh. 5; 1. Tim. 4; Rom. 4; 1. Cor. 15. DA mit \ie vns je leren / die Schrifft des alten Te\taments nicht zu verachten \ondern mit allem vleis zu le\en / weil \ie \elbs das newe Te\tament \o mechtiglich gründen vnd beweren / durchs alte Te\tament / vnd \ich drauff beruffen. Wie auch S. Lucas Act. xvij. \chreibt / Das die zu The\\alonich teglich for\cheten die Schrifft / Ob \ichs \o hielte / wie Paulus lerete. So wenig nu des newen Te\taments grund vnd bewei\ung zu verachten i\t / So thewr i\t auch das alte Te\tament zu achten. Vnd was i\t das newe Te\tament anders / denn ein öffentliche predigt vnd verkündigung von Chri\to / durch die Sprüche im alten Te\tament ge\etzt / vnd durch Chri\tum erfüllet. Act. 17.

DAs aber die jenigen / \o es nicht be\\er wi\\en / ein anleitung vnd vnterricht haben / nützlich drinnen zu le\en / Habe ich die\e Vorrede nach meinem vermügen / \o viel mir Gott gegeben ge\tellet. Bitte vnd warne trewlich einen jglichen fromen Chri\ten / Das er \ich nicht \to\\e an der einfeltigen Rede vnd Ge\chicht / \o jm offt begegnen wird / Sondern zweiuele nicht dran / wie \chlecht es jmer \ich an\ehen le\\t / es \eien eitel Wort / Werck / Gericht vnd Ge\chicht der hohen göttlichen Maie\tet / macht vnd wei\heit. Denn dis i\t die Schrifft / die alle Wei\en vnd Klugen zu Narren macht / Vnd allein den Kleinen vnd Albern offen \tehet / wie Chri\tus \agt Matth. xj. Darumb las dein dünckel vnd fülen faren / vnd halte von die\er Schrifft / als von dem allerhöhe\ten / edle\ten Heiligthum / als von der allerreich\ten Fundgruben / die nimer mehr gnug au\gegründet werden mag. Auff das du die Göttliche wei\heit finden müge\t / welche Gott hie \o alber vnd \chlecht furlegt / das er allen hohmut dempffe. Hie wir\tu die Windeln vnd die Krippen finden / da Chri\tus innen ligt / Da hin auch der Engel die Hirten wei\et. Schlecht vnd geringe Windel \ind es / Aber thewr i\t der \chatz Chri\tus / der drinnen ligt. Matt. 11; Luc. 2.

So wi\\e nu / das dis Buch ein Ge\etzbuch i\t / das da leret / was man thun vnd la\\en \ol. Vnd da neben anzeigt Exempel vnd Ge\chichte / wie \olch Ge\etze gehalten oder vbertretten \ind. Gleich wie das newe Te\tament / ein Euangelium oder Gnadenbuch i\t / vnd leret / wo mans nemen \ol / das das Ge\etz erfüllet werde. Aber gleich wie im newen Te\tament / neben der Gnadenlere / auch viel andere Lere gegeben werden / die da Ge\etz vnd Gebot \ind / das Flei\ch zu regieren / \intemal in die\em leben der Gei\t nicht volkomen wird / noch eitel gnade regieren kan. Al\o \ind auch im alten Te\tament / neben den Ge\etzen / etliche Verhei\\ung vnd Gnaden\prüche da mit die heiligen Veter vnd Propheten vnter dem Ge\etz im glauben Chri\ti / wie wir / erhalten \ind. Doch wie des newen Te\taments eigentliche Heubtlere i\t / gnade vnd friede durch vergebung der \ünden in Chri\to verkündigen / Al\o i\t des alten Te\taments eigentliche Heubtlere / Ge\etze leren vnd Sünde anzeigen / vnd guts foddern. Solches wi\\e im alten Te\tament zu warten.

Vnd das wir zu er\t auff Mo\es Bücher komen / Der leret in \einem er\ten Buch / wie alle Creatur ge\chaffen \ind / Vnd (das \eines \chreibens mei\te vr\ach i\t) Wo die Sünde vnd der Tod her komen \ey / nemlich / durch Adams fall / aus des Teufels bo\heit. Aber bald darauff / ehe denn Mo\es ge\etz kompt / leret er / Wo her die Hülffe wider komen \olt / die Sünde vnd Tod zu vertreiben. nemlich / nicht durch Ge\etz noch eigen werck / weil noch kein Ge\etz war / Sondern durch des Weibes \amen / Chri\tum / Adam vnd Abraham verhei\\en. Auff das al\o der glaube von anfang der Schrifft durch vnd durch geprei\et werde / vber alle werck / Ge\etz vnd verdien\t. Al\o hat das er\te buch Mo\e fa\t eitel exempel des glaubens vnd vnglaubens / vnd was glaube vnd vnglaube fur früchte tragen / vnd i\t fa\t ein Euangeli\ch buch.

Darnach im andern Buch / da die Welt nu vol vnd in der blindheit ver\uncken war / das man \chier nicht mehr wu\te / was Sünde war / oder wo Tod her komen \ey / bringet Gott Mo\en erfur mit dem Ge\etz / Vnd nimpt ein be\onders Volck an / die Welt an jnen wider zu erleuchten / vnd durchs Ge\etz die \unde wider zu eröffenen. Vnd verfa\\et al\o das Volck mit allerley Ge\etzen / vnd \ondert \ie von allen andern Völckern. Le\\t \ie eine Hütten bawen / vnd richtet einen Gottesdien\t an / Be\tellet Für\ten vnd Amptleute / vnd ver\orget al\o \ein Volck beide mit Ge\etzen vnd Leuten auffs allerfeine\t / wie \ie / beide leiblich fur der welt / vnd gei\tlich fur Gott / \ollen regiert werden.

Jm dritten Buch / wird in \onderheit das Prie\terthum verordnet mit \einen Ge\etzen vnd Rechten / dar nach die Prie\ter thun / vnd das Volck leren \ollen. Da \ihet man / wie ein Prie\terlichampt nur vmb der Sünde willen wird einge\etzt / das es die\elbige \ol dem Volck kund machen vnd fur Gott ver\ünen. Al\o / das alle \ein werck i\t / mit \unden vnd Sündern vmbgehen. Derhalben auch den Prie\tern kein zeitlich Gut gegeben / noch leiblich zu regieren befolhen oder zugela\\en wird / Sondern allein des Volcks zu pflegen in den sünden. jnen zugeeigent wird.

Jm vierden / da nu die ge\etze gegeben / Prie\ter vnd Für\ten einge\etzt \ind / die Hütten vnd Gottesdien\t angericht \ind / vnd alles bereit i\t / was zum volck Gottes gehöret / Hebt \ich das werck vnd vbung an / vnd wird ver\ucht / wie \olche Ordnung gehen vnd \ich \chicken wil. Darumb \chreibt das \elb Buch von \o viel vngehor\am vnd plagen des Volcks. Vnd werden etliche Ge\etz verkleret vnd gemehret. Denn al\o findet \ichs alle zeit / das Ge\etze bald zu geben \ind / Aber wenn \ie \ollen angehen vnd in den \chwang komen / da begegent nicht mehr denn eitel hindernis / vnd wil nirgend fort / wie das Ge\etz foddert. Das dis Buch ein mercklich Exempel i\t / wie gar es nichts i\t / mit Ge\etzen die Leute from machen / Sondern wie S. Paulus \agt / Das Ge\etze nur sünde vnd zorn anrichte.

Jm fünften / da nu das volk vmb \einen vngehor\am ge\trafft i\t / vnd Gott \ie mit gnaden ein wenig gelockt hatte / das \ie aus wolthat / da er jnen die zwey Königreich gab / bewegt wurden \ein Ge\etz mit lu\t vnd liebe zuhalten / widerholet Mo\e das gantz Ge\etz mit allen Ge\chichten / \o jnen begegent war (on was das Prie\terthum betrifft) vnd verkleret al\o von newen an alles / was beide zum leiblichen vnd gei\tlichen Regiment eines Volcks gehört. Das al\o Mo\e / wie ein volkomener Ge\etzlerer allenthalben \einem Ampt gnug thet / vnd das Ge\etz nicht alleine gebe / \ondern auch da bey were / da mans thun \olt / vnd wo es feilet / verkleret vnd wider anrichtet. Aber die\e verklerung im fünfften Buch / helt eigentlich nichts anders innen / denn den glauben zu Gott / vnd die liebe zum Nehe\ten / Denn da hin langen alle ge\etze Gottes. Darumb wehret Mo\e mit \einem verkleren / alle dem / das den glauben an Gott verderben mag / bis hin an in das xx. Cap. Vnd alle dem / das die Liebe hindert / bis an des Buches ende.

Hje bey i\t nu zu mercken auffs er\te / das Mo\e das Volck \o genaw mit Ge\etzen verfa\\et / das er keinen raum le\\t der Vernunfft jrgend ein werck zu erwelen oder eigen Gottesdien\t erfinden. Denn er leret nicht allein Gott fürchten / trawen vnd lieben / Sondern gibt auch \o mancherley wei\e eu\\erlichs Gottesdien\ts / mit opffern / geloben / fa\ten / ca\teien etc / Das niemand not \ey / etwas anders zu erwelen. Jtem er leret auch pflantzen / bawen / freien / \treitten / Kinder / Ge\ind vnd Haus regieren / keuffen vnd verkeuffen / borgen vnd lö\en / vnd alles was eu\\erlich vnd innerlich zu thun \ey / So gar / das etliche Satzungen gleich nerri\ch vnd vergeblich an zu\ehen \ind. LJeber / warumb thut Gott da\s?

Endlich darumb / Er hat \ich des Volcks vnterwunden / das es \ein eigen \ein \olt / vnd er wolt jr Gott \ein / darumb wolt er \ie al\o regieren / das alle jr Thun gewis were / das es fur jm recht were. Denn wo jemand etwas thut / da Gottes wort nicht zuuor auff gegeben i\t / das gilt fur Gott nicht vnd i\t verlorn. Denn er verbeut auch am iiij. vnd xiij. Cap. im v. Buch / das \ie nichts \ollen zuthun zu \einen Ge\etzen. Vnd im xij. \pricht er / Sie \ollen nicht thun was \ie recht dünckt. Auch der P\alter vnd alle Propheten drob \chreien / Das das Volck gute werck thet / die \ie \elbs erweleten / vnd von Gott nicht geboten waren. Denn er wil vnd kans nicht leiden / das die \einen etwas furnemen zu thun / das er nicht befolhen hat / es \ey wie gut es jmer \ein kan / Denn gehor\am i\t aller werck adel vnd güte / der an Gottes worten hanget.

WEil denn nu dis Leben nicht kan on eu\\erlich Gottesdien\t vnd Wei\e \ein / hat er jnen furgelegt \olch mancherley Wei\e / vnd mit \einem Gebot verfa\\et. Auff das / ob \ie ja mü\ten oder auch wolten Gott jrgend einen euqqerlichen Dien\t thun / das \ie die\er einen angriffen / vnd nicht ein eigen erdechten / Da mit \ie gewis vnd \icher weren das \olch jr werck in Gottes wort vnd gehor\am gienge. Al\o i\t jnen allenthalben gewehret / eigener Vernunfft vnd Freiem willen zu folgen / guts zu thun vnd wol zu leben / Vnd doch vbrig gnug / raum / \tete / zeit / Per\on / werck vnd wei\e be\timpt vnd furgelegt / das \ie nicht klagen dürffen / noch frembder Gottesdien\t Exempel nachfolgen mü\\en.

Avffs ander i\t zu mercken / das die ge\etz dreierley art \ind. Etliche die nur von zeitlichen gütern \agen / Wie bey vns die Kei\erlichen ge\etze thun. Die\e \ind von Gott allermei\t vmb der Bö\en willen ge\etzt / das \ie nichts ergers theten. Darumb \ind \olche Ge\etze nur Wehrge\etz / mehr denn Lerege\etz. Als da Mo\e gebeut ein Weib mit einem Scheidebrieff von \ich zu la\\en Jtem / das ein Man \ein Weib mit einem Eiueropffer treiben / vnd ander Weiber mehr nemen mag / Solchs \ind alles weltliche Ge\etze. ETliche aber \ind / die von eu\\erlichen Gottesdien\t leren / wie droben ge\agt i\t. VBer die\e beide gehen nu die Ge\etze vom glauben vnd von der Liebe / al\o / das alle ander Ge\etz mü\\en vnd \ollen jr mas haben vom Glauben vnd von der Liebe / das \ie gehen \ollen / wo jre werck al\o geraten / das \ie nicht wider den glauben vnd die Liebe gehen / Wo \ie aber wider den Glauben vnd Liebe geraten / \ollen \ie \chlecht ab \ein.

DA her le\en wir / das Dauid den mörder Joab nicht tödtet / \o er doch zwey mal den tod verdienet hatte. Vnd ij. Reg. xiiij. gelobt er dem weibe von Thekoa / jr Son \olle nicht \terben / ob er wol \einen Bruder erwürget hatte. Jtem / Ab\alom tödtet er auch nicht. Jtem / er \elbs Dauid a\s von dem heiligen Brot der Prie\ter j. Reg. xxj. Jtem Thamar meinet / der König möchte \ie geben Amnon jrem Stieffbruder zur Ehe. Aus die\er vnd der gleichen Ge\chichten / \ihet man wol / das die Könige / Prie\ter vnd Ober\ten haben offt fri\ch ins Ge\etze gegriffen / wo es der Glaube vnd die Liebe haben gefoddert. Das al\o der Glaube vnd die Liebe \ol aller Ge\etz Mei\terin \ein / vnd \ie alle in jrer macht haben. Denn \intemal alle Ge\etz auff den Glauben vnd Liebe treiben / \ol keins nicht mehr gelten noch ein Ge\etze \ein / wo es dem Glauben oder der Liebe wil zu wider geraten.

DErhalben jrren die Jüden noch heutiges tags fa\t \eer / das \ie \o \trenge vnd hart vber etlichen ge\etzen Mo\e halten / vnd viel ehe Liebe vnd Friede lie\\en vntergehen / ehe \ie mit vns e\\en oder trüncken / oder der gleichen theten / Vnd \ehen des Ge\etzes meinung nicht recht an / Denn die\er ver\tand i\t von nöten allen die vnter Ge\etzen leben / nicht allein den Jüden. Denn al\o \agt auch Chri\tus Matth. xij. Das man den Sabbath brechen möcht / wo ein Ochs in eine gruben gefallen war / vnd jm er au\helffen / Welchs doch nur ein zeitliche not vnd \chaden war. Wie viel mehr \ol man fri\ch allerley Ge\etz brechen / wo es Leibs not foddert / \o anders dem Glauben vnd der Liebe nichts zu wider ge\chicht. Wie Chri\tus \agt / Das Dauid gethan hat / da er die heiligen Brot a\s / Mar. iij.

Was i\t aber / das Mo\e die Ge\etze \o vnordig vnternander wirfft? Warumb \etzt er nicht die Weltlichen auff einen hauffen / die Gei\tlichen auch auff einen hauffen / vnd den Glauben vnd Liebe auch auff einen? Da zu widerholet er zu weilen ein Ge\etz \o offt / vnd treibt einerley wort \o viel mal / das gleich verdro\\en i\t zu le\en vnd zu hören? Antwort Mo\e \chreibt / wie \ichs treibt / Das \ein Buch ein bild vnd Exempel i\t des Regiments vnd Lebens. Denn al\o gehet es zu / wenn es im \chwang gehet / das jtzt dis werck / jtzt jenes gethan \ein mus. Vnd kein Men\ch \ein Leben al\o fa\\en mag (\o es anders Göttlich \ein \ol) das er die\en tag eitel gei\tlich / den andern eitel weltlich Ge\etze vbe / Sondern Gott regiert al\o alle Ge\etze vnternander / wie die Stern am Himel / vnd die Blumen auff dem Felde \tehen / Das der Men\ch mus alle \tunde zum jglichen bereit \ein / vnd thun welchs jm am er\ten fur die hand kompt / Al\o i\t Mo\e Buch auch vnternander gemenget.

DAs er aber \o fa\t treibt vnd offt einerley widerholet / Da i\t auch \eines Ampts art angezeiget. Denn wer ein Ge\etzuolck regieren \ol / der mus jmer anhalten / jmer treiben / vnd \ich mit dem Volck / wie mit E\eln / blewen / Denn kein Ge\etzwerck gehet mit lu\t vnd liebe abe / es i\t alles erzwungen vnd abgenötiget. Weil nu Mo\e ein Ge\etzlerer i\t / mus er mit \einem treiben anzeigen / wie Ge\etzwerck gezwungen werck \ind / vnd das Volck müde machen / Bis es durch \olch treiben erkenne \eine kranckheit vnd vnlu\t zu Gottes ge\etz / vnd nach der Gnade trachte / wie folget.

Avffs dritte / j\t das die rechte meinung Mo\e / Das er durchs Ge\etz die sünde offenbare vnd alle verme\\enheit men\chlichs vermügens zu\chanden mache. Denn da her nennet in S. Paulus Gal. ij. einen Amptman der sünde vnd \ein Ampt ein ampt des Tods ij. Cor. iij. Vnd Rom. iij. vnd vij. \pricht er / Durchs Ge\etze kome nicht mehr denn erkentnis der sünde. Vnd Rom. iij. Durchs Ge\etzs werck wird niemand from fur Gott. Denn Mo\e kan durchs Ge\etz nicht mehr thun / weder anzeigen was man thun vnd la\\en \ol. Aber krafft vnd vermügen \olches zu thun vnd zu la\\en / gibt er nicht / vnd le\\t vns al\o in der sünde \tecken. Gal. 2; 2. Corin. 3; Rom. 3; Rom. 7 WEnn wir denn in der sünde \tecken / \o dringet der Tod al\o bald auff vns / als eine rache vnd \traffe vber die \unde. Da her nennet S. Paulus die Sünde / des Tods \tachel / Das der Tod durch die \unde alle \ein Recht vnd macht an vns hat. Aber wo das Ge\etze nicht were / \o were auch keine sünde. Darumb i\ts alles Mo\e ampts \chuld / der reget vnd rüget die \unde durchs Ge\etze / \o folget der Tod auff die sünde mit gewalt. Das Mo\e ampt billich vnd recht ein ampt der \unde vnd des todes von S. Paulo genennet wird / Denn er bringet nichts auff vns durch \ein Ge\etz geben / denn \unde vnd tod. 1. Cor. 15

ABer doch i\t \olch Sündeampt vnd Todampt gut / vnd fa\t von nöten / Denn wo Gottes ge\etz nicht i\t / da i\t alle men\chliche Vernunfft \o blind / das \ie die \unde nicht mag erkennen. Denn kein men\chlich Vernunfft weis / das vnglaube vnd an Gott verzweiueln sünde \ey / Ja \ie weis nichts dauon / das man Gott gleuben vnd trawen \ol / Gehet al\o da hin in jrer blindheit ver\tockt / vnd fület \olche \unde nimer mehr. Thut dieweil \on\t etwa gute werck / vnd füret ein eu\\erlich erbars Leben. Da meinet \ie denn / \ie \tehe wol / vnd \ey der \achen gnung ge\chehen Wie wir \ehen in den Heiden vnd Heuchlern / wenn \ie auff jr be\tes leben. Jtem / \o weis \ie auch nicht / das bö\e neigung des Flei\chs / vnd ha\s wider die Feinde / sünde \ey / \ondern weil \ie \ihet vnd fület / das alle Men\chen \o ge\chickt \ind / achtet \ie \olchs fur natürlich vnd recht gut ding / Vnd meinet / es \ey gnug / wenn man nur eu\\erlich den wercken wehret. Al\o gehet \ie da hin / vnd achtet jre kranckheit fur \tercke / jre sünde fur recht / jr bö\es fur gut / vnd kan nicht weiter.

SJhe / die\e blindheit vnd ver\tockte verme\\enheit zu vertreiben / i\t Mo\e ampt not. Nu kan er \ie nicht vertreiben / er mus \ie offenbaren vnd zu erkennen geben. Das thut er durchs Ge\etz / da er leret / Man \olle Gott fürchten / trawen / gleuben vnd lieben. Dazu keine bö\e lu\t noch ha\s zu einigem Men\chen tragen oder haben. Wenn nu die Natur \olchs recht höret / \o mus \ie er\chrecken / Denn \ie befindet gewis / weder trawen noch glauben / weder furcht noch liebe zu Gott. Jtem weder liebe noch reinigkeit gegen dem Nehe\ten / Sondern eitel vnglauben / zweiueln / verachtung vnd ha\s zu Gott / vnd eitel bö\en willen vnd lu\t zum Nehe\ten. Wenn \ie aber \olchs findet / \o i\t der Tod al\o bald fur augen / der \olchen Sünder fre\\en / vnd in die Helle wil ver\chlingen.

SJhe / Das hei\\t den Tod durch die Sünde auff vns dringen / vnd durch die \unde vns tödten. Das hei\\t durch das Ge\etz die \unde regen / vnd fur die augen \etzen / vnd alle vn\er verme\\enheit in ein verzagen / vnd zittern vnd verzweiueln treiben. Das der Men\ch nicht mehr kan thun / denn mit den Propheten \chreien / Jch bin von Gott verworffen / Oder / wie man auff Deud\ch \agt / Jch bin des Teufels / Jch kan nimer mehr \elig werden. Das hei\\t recht in die Helle gefurt. Das meinet S. Paulus mit kurtzen worten. j. Corin. xv. Der \tachel des Tods i\t die sünde / Aber das Ge\etz i\t der sünden krafft. Als \olt er \agen / Das der Tod \ticht vnd vns erwürget / macht die Sünde / die an vns gefunden wird / des tods \chüldig. Das aber die Sünde an vns funden wird / vnd \o mechtig vns dem Tod gibt / macht das Ge\etz / welchs vns die Sünde offenbart vnd erkennen leret / die wir zuuor nicht kandten / vnd \icher waren. 1. Cor. 15

Nv \ihe / mit welcher gewalt Mo\e \olchs \ein Ampt treibet vnd au\richtet / Denn das er ja die Natur auffs allerhöhe\t \chende / gibt er nicht allein \olche Ge\etz / die von natürlichen vnd warhafftigen Sünden \agen / als da \ind die zehen Gebot / Sondern macht auch sünde / da von natur \on\t keine sünde i\t / vnd dringet vnd drücket auff \ie mit hauffen sünden. Denn vnglaube vnd bö\e lu\t i\t von art \unde vnd des todes werd. Aber das man nicht \ol ge\ewert Brot e\\en auff O\tern / vnd kein vnrein Thier e\\en / kein Zeichen an dem Leib machen / vnd alles was das Leuiti\ch Prie\terthum mit sünden \chaffet / das i\t nicht von art sünde vnd bö\e / \ondern wird allein darumb \unde / das durchs Ge\etz verboten i\t / welchs Ge\etz wol kan ab\ein. Aber die zehen Gebot mügen nicht al\o ab\ein / Denn da i\t \unde / ob \chon die Gebot nicht weren / oder nicht erkennet weren. Gleich wie der Heiden vnglaube \unde i\t / ob \ie es wol nicht wi\\en noch achten / das \unde \ey.

AL\o \ehen wir / das \olche vnd \o mancherley ge\etze Mo\e / nicht allein darumb gegeben \ind / das niemand etwas eigens dürffte erwelen guts zuthun / vnd wol zu leben / wie droben ge\agt i\t. Sondern viel mehr darumb / das der \unden nur viel würden / vnd \ich vber die ma\s heufften / das gewi\\en zu be\chweren. Auff das die ver\tockte blindheit \ich erkennen mü\te / vnd jr eigen vnuermügen vnd nichtigkeit zum guten mü\te fülen / Vnd al\o durchs Ge\etz genötiget vnd gedrungen würde etwas weiters zu \uchen / denn das Ge\etz vnd eigen vermügen / nemlich / Gottes gnade in künfftigen Chri\tum verhei\\en. Denn es i\t je alles ge\etz Gottes gut vnd recht / wenn er auch gleich hie\\e nur Mi\t tragen / oder Strohalm auff heben. So mus aber der ja nicht from noch gutes hertzen \ein / der \olch gut Ge\etz nicht helt / oder vngerne helt. So vermag alle Natur nicht anders / denn vngerne halten / Darumb mus \ie hie am guten ge\etz Gottes / jre bo\heit erkennen vnd fülen / vnd nach der hülff göttlicher gnaden \eufftzen vnd trachten in Chri\to.

Darumb / wo nu Chri\tus kompt / da höret das Ge\etz auff / \onderlich das Leuiti\che / welchs \unde macht / da \on\t von art keine \unde i\t / wie ge\agt i\t. So hören auch die zehen Gebot auff / Nicht al\o / das man \ie nicht halten noch erfüllen \olt / \ondern Mo\es ampt höret drinnen auff / das es nicht mehr durch die zehen Gebot die sünde \tarck macht / vnd die sünde nicht mehr des tods \tachel i\t. Denn durch Chri\tum i\t die sünde vergeben / Gott versünet / vnd das hertz hat angefangen dem Ge\etz hold zu \ein / das es Mo\es ampt nicht mehr kan \traffen vnd zu \unden machen / als hette es die Gebot nicht gehalten / vnd were des tods \chüldig / Wie es thet vor der gnade / vnd ehe denn Chri\tus da war.

DAs leret S. Paulus ij. Corin. iij. da er \pricht / Das die klarheit im ange\icht Mo\e auffhöret / vmb der klarheit willen im ange\ichte Jhe\u Chri\ti. Das i\t / das ampt Mo\e / das vns zu \unden vnd \chanden macht / mit dem glantz der erkentnis vn\er bo\heit vnd nichtigkeit / Thut vns nicht mehr weh / \chrecket vns auch nicht mehr mit dem tod. Denn wir haben nu die klarheit im ange\icht Chri\ti. Das i\t / das Ampt der gnaden / dadurch wir Chri\tum erkennen / mit welches Gerechtigkeit / Leben vnd Stercke / wir das Ge\etze erfüllen / Tod vnd Helle vberwinden. Wie auch die drey Apo\tel auff dem berge Thabor / Mo\en vnd Eliam \ahen / vnd doch nicht fur jnen er\chracken / vmb der lieblichen klarheit willen im ange\ichte Chri\ti. Aber Exod. xxxiiij. da Chri\tus nicht gegenwertig war / kundten die kinder J\rael die klarheit vnd glentzen in Mo\e ange\icht nicht erleiden / drumb mu\te er eine Decke dafur thun. 2. Cor. 3; Matt. 17; Luc. 9; Exod. 34.

DEnn es \ind dreierley Schüler des ge\etzes / Die er\ten / die das Ge\etz hören vnd verachten / füren ein ruchlos Leben on furcht / Zu die\en kompt das Ge\etz nicht. Vnd \ind bedeut / durch die Kalbdiener in der wü\ten / vmb welcher willen Mo\e die Tafeln entzwey warff / vnd das Ge\etz nicht zu jnen bracht. DJe andern / die es angreiffen mit eigener krafft zu erfüllen on gnade. Die \ind bedeut durch die / \o Mo\e andlitz nicht \ehen kundten / da er zum andern mal die Tafeln bracht. Zu die\en kompt das Ge\etz / aber \ie leidens nicht. Darumb machen \ie eine Decke drüber / vnd füren ein heuchli\ch Leben mit eu\\erlichen wercken des Ge\etzes / welchs doch das Ge\etz alles zu sünden macht / wo die Decke abgethan wird / Denn das Ge\etz erwei\et / das vn\er vermügen nichts \ey / on Chri\tus gnade.

DJe dritten \ind / die Mo\en klar on Decke \ehen. Das \ind \ie / die des Ge\etzes meinung ver\tehen / wie es vmmüglich ding foddere. Da gehet die sünde in der krafft / da i\t der Tod mechtig / da i\t des Goliaths \pies wie ein Weberbawm / vnd \ein \tachel hat \echs hundert \ekel Ertz / das alle kinder J\rael fur jm fliehen / On der einige Dauid Chri\tus vn\er HErr erlö\et vns von dem allen. Denn wo nicht Chri\tus klarheit neben \olcher klarheit Mo\e keme / kündte niemand \olche glentze des Ge\etzes der Sünd vnd des Tods \chrecken ertragen. Die\e fallen abe von allen wercken vnd verme\\enheit / vnd lernen am Ge\etze nicht mehr / denn allein sünde erkennen / vnd nach Chri\to zu \eufftzen / Welchs auch das eigentlich ampt Mo\e vnd des Ge\etzs art i\t.

AL\o hat Mo\e auch \elbs angezeigt / das \ein Ampt vnd Lere \olt wehren bis auff Chri\tum / vnd als denn auffhören / da er \pricht / Deut. xviij. Einen Propheten wird dir der HERR dein Gott erwecken / aus deinen Brüdern / wie mich / Den \oltu hören etc. Dis i\t der edle\t Spruch vnd freilich der kern im gantzen Mo\e / welchen auch die Apo\tel hoch gefurt vnd \tarck gebraucht haben / das Euangelium zu bekrefftigen / vnd das Ge\etz abzuthun / vnd alle Propheten / gar viel draus gezogen. Denn weil Gott hie einen andern Mo\e verhei\\et / den \ie hören \ollen / zwinget \ichs / das er etwas anders leren würde / denn Mo\e / vnd Mo\e \eine macht jm vbergibt vnd weicht / das man jenen hören \olle. So kan je der \elb Prophet nicht Ge\etz leren / denn das hat Mo\e auffs allerhöhe\t au\gericht / vnd were kein not vmbs Ge\etzs willen einen andern Propheten zu erwecken / Darumb i\ts gewis von der Gnadenlere vnd Chri\to ge\agt. Deut. 18

DArumb nennet auch S. Paulus Mo\e ge\etz / das alte Te\tament / Chri\tus auch / da er das newe Te\tament ein\etzet. Vnd i\t darumb ein Te\tament / das Gott darinnen verhies vnd be\chied dem volck J\rael das land Canaan / wo \ie es halten würden. Vnd gabs auch jnen / vnd ward be\tetiget durch Scheps vnd Bocks tod vnd blut. Aber weil \olch Te\tament nicht auff Gottes gnaden / \ondern auff Men\chen wercken \tund / mu\t es alt werden vnd auffhören / vnd das verhei\\en Land wider verloren werden / darumb / das durch wercke das Ge\etze nicht kan erfüllet werdern. Vnd mu\t ein ander Te\tament komen / das nicht alt würde / auch nicht auff vn\erm thun / \ondern auff Gottes wort vnd wercke \tünde / auff das es ewiglich wehret. Darumb i\ts auch durch einer ewigen Per\on tod vnd blut be\tetiget / vnd ein ewiges Land verhei\\en vnd gegeben.

Das \ey nu von Mo\e Bücher vnd Ampt geredt. Was \ind aber nu die ander Bücher der Propheten vnd der Ge\chichten? Antwort / nichts anders / denn was Mo\e i\t / Denn \ie treiben alle \ampt Mo\es ampt / vnd wehren den fal\chen Propheten / das \ie das Volck nicht nicht auff die werck füren / \ondern in dem rechten ampt Mo\e vnd erkentnis des Ge\etzes bleiben la\\en. Vnd halten fe\t drob das \ie durch des Ge\etzes rechten ver\tand / die Leute in jrer eigen vntüchtigkeit behalten vnd auff Chri\tum treiben / wie Mo\e thut. Darumb \treichen \ie auch weiter aus / was Mo\e von Chri\to ge\agt hat / Vnd zeigen an beiderley Exempel / dere / die Mo\e recht haben / vnd dere / die jn nicht recht haben / vnd aller beider \traff vnd lohn. Al\o / das die Propheten nichts anders \ind / denn handhaber vnd zeugen Mo\e vnd \eines Ampts / das \ie durchs Ge\etze jederman zu Chri\to bringen.

Avffs letzt / \olt ich auch wol die gei\tliche Deutung anzeigen / \o durch das Leuiti\ch Ge\etz vnd Prie\terthumb Mo\e furgelegt. Aber es i\t \ein zu viel zu \chreiben / es wil raum vnd zeit haben / vnd mit lebendiger \timme au\gelegt \ein. Denn freilich Mo\e ein Brun i\t aller wei\heit vnd ver\tands / dar aus gequollen i\t alles / was alle Propheten gewu\t vnd ge\agt haben. Dazu auch das newe Te\tament er aus fleu\\t vnd drein gegründet i\t / wie wir gehört haben. Aber doch ein kleins kurtzes Grifflin zu geben / den jenigen / \o gnade vnd ver\tand haben / weiter darnach zu trachten / \ey das mein Dien\t.

WEnn du wilt wol vnd \icher deuten / So nim Chri\tum fur dich / Denn das i\t der Man / dem es alles vnd gantz vnd gar gilt. So mache nu aus dem Hohenprie\ter Aaron niemand denn Chri\tum alleine / wie die Epi\tel an die Ebreer thut / welche fa\t alleine gnug\am i\t / alle figurn Mo\e zu deuten. Al\o i\ts auch gewis / das Chri\tus \elbs das Opffer i\t / ja auch der Altar / der \ich \elbs mit \einem eigen Blut geopffert hat / Wie auch die \elb Epi\tel meldet. Wie nu der Leuiti\che Hoheprie\ter / durch \olch Opffer nur die gemachten \unde wegnam / die von natur nicht \unde waren / Al\o hat vn\er Hoheprie\ter Chri\tus / durch \ein \elbs Opffer vnd Blut / die rechte \unde / die von natur \unde i\t / weggenomen. Vnd i\t ein mal durch den Vorhang gegangen zu Gott / das er vns versüne. Al\o / das du alles / was vom Hohenprie\ter ge\chrieben i\t / auff Chri\tum per\önlich / vnd \on\t auff niemand deute\t.

ABer des Hohenprie\ters Söne / die mit dem teglichen Opffer vmbgehen / \oltu auff vns Chri\ten deuten / die wir fur vn\erm Vater Chri\to im Himel \itzend hie auff Erden mit dem leibe wonen / vnd nicht hin durch \ind bey jm / on mit dem glauben gei\tlich. Der\elben Ampt / wie \ie \chlachten vnd opffern / bedeut nichts anders / denn das Euangelium predigen / Durch welchs der alte Men\ch getödtet vnd Gott geopffert / durchs fewr der liebe / im heiligen Gei\t verbrand vnd verzeret wird / Welchs gar wol reucht fur Gott / das i\t / es macht ein gut / rein / \icher Gewi\\en fur Gott. Die\e deutung trifft S. Paulus Rom. xij. da er leret / wie wir vn\ere Leibe \ollen opffern Gott zum lebendigen / heiligen / angenemen Opffer. Welchs wir thun (wie ge\agt) durch \tettige vbung des Euangelium beide mit predigen vnd gleuben. Das \ey dis mal gnug zur kurtzen anleitung / Chri\tum vnd das Euangelium zu \uchen im alten Te\tament.


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