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Die gantze Heilige Schrifft: Deud\ch (Luther 1545)

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Luthers Warnung an die Drucker von 1541

S. Paulus \pricht: Der Geitz i\t ein wurtzel alles Vbels. Solchen Spruch erfaren wir in die\er vn\er \chendlichen bö\en zeit \o gewaltig / als man nicht wol des gleichen in allen Hi\torien findet.
DEnn \ihe allein das grewliche / \chreckliche / we\en vnd vbel an / das der Geitz durch den leidigen Wucher treibt / Das auch etliche feine / vernünfftige / dapffere Leute mit die\em Geitzteufel vnd Wucherteufel al\o be\e\\en \ind / das \ie wi\\entlich vnd wolbedachtes ver\tands / den erkandten Wucher treiben / vnd al\o williglich vnd bey guter vernunfft den Abgott Mammon / mit gro\\er grewlicher verachtung göttlicher Gnaden vnd Zorns / anbeten / vnd drüber ins Helli\che fewr vnd ewiges Verdamnis \ehend vnd hörend gleich lauffen vnd rennen.
DEr \elbige verfluchte Geitz / hat vnter allen andern Vbeln / \o er treibt / \ich auch an vn\ere Erbeit gemacht / darin \eine bosheit vnd \chaden zu vben. Denn nach dem vns allhie zu Wittemberg / der barmhertzige Gott \eine vnaus\prechliche gnade gegeben hat / Das wir \ein heiliges Wort / vnd die heilige Biblia hell vnd lauter in die deud\che Sprache bracht haben / Daran wir (wie das ein jglicher Vernünfftiger wol dencken kan) treffliche gro\\e Erbeit (doch alles durch Gottes gnaden) gethan.
SO feret der Geitz zu / vnd thut vn\ern Buchdrückern die\e \chalckheit vnd büberey / Das andere flugs balde hernach drücken / Vnd al\o der un\ern Erbeit vnd Vnko\t berauben zu jrem Gewin / Welchs eine rechte gro\\e öffentliche Reuberey i\t / die Gott auch wol \traffen wird / vnd keinem ehrlichen Chri\tlichen Men\chen wol an\teht. Wiewol meinet halben daran nichts gelegen / Denn ich habs vmb \on\t empfangen / vmb \on\t hab ichs gegeben / vnd begere auch dafur nichts / Chri\tus mein HErr hat mirs viel hundert tau\entfeltig vergolten.
ABer das mus ich klagen vber den Geitz / Das die geitzigen Wen\te vnd reubi\che Nachdrücker mit vn\er Erbeit vntrewlich vmbgehen. Denn weil \ie allein jren Geitz \uchen / fragen \ie wenig darnach / wie recht oder fal\ch \ie es hin nachdrücken / Vnd i\t mir offt widerfaren / das ich der Nachdrücker druck gele\en / al\o verfel\chet gefunden / das ich meine eigen Erbeit / an vielen Orten nicht gekennet / auffs newe habe mü\\en be\\ern. Sie machens hin rips raps / Es gilt gelt. So doch (wo \ie anders rechte Drücker weren) wol wi\\en vnd erfaren \olten haben / Das kein vleis gnug\am \ein kan in \olcher Erbeit / als die Drückerey i\t / Des wird mir Zeugnis geben / wer jemals ver\ucht hat / was vlei\\es hie zugehöret.
DERhalben / ob jemand die\e vn\er newe gebe\\erte Biblia fur \ich \elbs / oder auff eine Librarey begert zu haben / der \ey von mir hiemit trewlich gewarnet / das er zu\ehe / was vnd wo er keuffe / vnd \ich anneme vmb die\en Druck der von den vn\ern corrigirt wird / vnd hie ausgehet. Denn ich gedencke nicht \o lange zu leben / das ich die Biblia noch ein mal müge vberlauffen. Auch ob ich \o lange leben mü\te / bin ich doch nu mehr zu \chwach zu \olcher Erbeit.
VND wünd\che das ein jglicher bedencken wolt / das nicht leichtlich jemand anders \olcher ern\t \ey an der Biblia / als vns allhie zu Wittemberg / als denen zum er\ten die gnade gegeben i\t / Gottes wort wider an den tag vngefel\cht / vnd wol geleutert / zubringen. Hoffen auch / vn\er Nachkomen werden in jrem nachdrücken / eben den \elben vleis dran wenden / Da mit vn\er Erbeit rein vnd völlig erhalten werde.
SO haben wirs auch / on allen Geitz / nutz vnd genies (das können wir rhümen in Chri\to) trewlich vnd reichlich / allen Chri\ten dar gethan vnd mitgeteilet. Vnd was wir darüber gelidden / gethan / vnd dran gewand / das \ol niemand erkennen / denn des die Gaben \ind / vnd der durch vns vnwirdige / elende / arme Werckgezeug \olchs gewirckt hat. Dem \ey allein die Ehre / Lob vnd Danck in ewigkeit / AMEN.
D. Mart. Luth.

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